Philippines

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Philippinen – Länderbericht –– Simona Grugger unterstützt durch Karl Corro

Die Philippinen setzen sich aus über 7.000 Inseln im Pazifischen Ozean zusammen und sind eines der bevölkerungsreichsten Länder Südostasiens. Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage blickt der Inselstaat auf eine lange Kolonialgeschichte zurück. Spanien und die Vereinigten Staaten hinterließen unter den vier Kolonialmächten die größten Spuren in der heutigen Politik und Kultur der Philippinen. Als direkte Folgen der Besatzung können strukturbedingte Armut, schwerwiegende Ungleichheit, Machtzentralisierung, Korruption und das mangelnde Vertrauen in Regierungsinstanzen genannt werden. Darüber hinaus entwickelten sich in großen Teilen der Bevölkerung Verhaltensmuster wie die Akzeptanz von Unterdrückung und politischer Abhängigkeit.

Die Philippinen sind ein Vertreterland des kollektivistischen Kulturmodells, in welchem das Interesse der Gruppe vor das Interesse des Individuums gestellt wird. Dies ist zum Teil eine Erklärung dafür, dass Vetternwirtschaft und personalistische Führungsstile in der Politik begünstigt und bevorzugt werden. Persönliche Beziehungen werden zudem generell gegenüber bürokratischen Systemen priorisiert.

Parallel zum anhaltenden Drogenkrieg und der COVID-19-Krise ringen die Philippinen mit bewaffneten Konflikten, Terroranschlägen und häufigen Naturkatastrophen. Aufgrund der akuten Armut, die mit all diesen Problemen einhergeht, beteiligt sich ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung am Drogenhandel. Minderjährige werden bereits sehr früh als Drogenkuriere angeworben, da sie rechtlich nicht belangt werden können.

Diese Bedingungen trugen in der Summe erheblich zur Wahl von Rodrigo Duterte zum Präsidenten der Philippinen im Jahre 2016 bei. Er präsentierte eine einfache, auf die Beseitigung von Armut und Kriminalität gerichtete Lösung und erklärte dem Drogenhandel den Krieg. Dieser sogenannte Drogenkrieg sorgt international für Entsetzen und scharfe Kritik aufgrund der gravierenden Menschenrechtsverletzungen, die in seinem Namen verübt werden. Zudem versucht Duterte fortlaufend, die Todesstrafe wieder einzuführen und das Strafmündigkeitsalter auf neun Jahre zu senken. Wie der Diktator der 1960er- bis 1980er-Jahre, Ferdinand Marcos, will er außerdem erneut das Kriegsrecht auf den Philippinen verhängen, was er zwischen 2017 und 2019 in der Region Mindanao bereits erfolgreich umsetzten konnte.

Gewalt durch Sicherheitskräfte

Der Drogenkrieg gilt als Vorwand für extralegale Tötungen, welche durch die philippinische Polizei (PNP), Regierungsverbündete und unbekannte Angreifer verübt werden. Es gab zwar bereits vor Duterte massive Polizeigewalt auf den Philippinen: Während der Marcos-Diktatur wurden politische Gegner:innen laufend gefoltert und getötet. Der Unterschied zur momentanen Situation besteht darin, dass das Morden durch Sicherheitskräfte von einer Einzelfallmaßnahme zur Standardsanktion der Polizei geworden ist. Polizist:innen besitzen vollständige Immunität und erhalten teilweise hohe Prämien für von ihnen verübte Morde. Duterte fördert diese Tötungen aktiv und verspricht den Täter:innen politischen Schutz. Noch vor der Wahl erklärte er, dass unter seiner Aufsicht die Fische der Manila Bay mit den Leichen von Drogenabhängigen gemästet werden sollen. Darüber hinaus verglich er sich mit Hitler: So wie Hitler drei Millionen Jüd:innen umgebracht hätte, wolle er nach eigenen Angaben drei Millionen Drogenabhängige töten.

Tatsächlich wurden nach Schätzungen der Menschenrechtskommission des Landes seit Dutertes Amtsantritt im Jahre 2016 bis zu 27.000 Menschen durch Sicherheitskräfte ermordet. Das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen spricht von 8.000 bestätigten Morden. Seit 2016 wurde davon ein Mord bestraft. Dabei handelt es sich um den 17-jährigen Schüler Kian delos Santos, dessen Ermordung gefilmt wurde.

In einem als Oplan Tokhang bekannten Vorgang werden Opfer von Polizeibeamt:innen ohne Haftbefehl zuhause aufgesucht und hingerichtet. Meist geben die Polizist:innen im Nachhinein an, das Gegenüber habe sich gewehrt und wäre bewaffnet gewesen. Berichte von Waffen mit derselben Seriennummer, die an verschiedenen Tatorten zu verschiedenen Zeitpunkten aufgefunden wurden sowie einschlägige Zeugenaussagen lassen darauf schließen, dass Beweise von der Polizei nachträglich platziert werden und die Opfer prinzipiell zum Zeitpunkt ihrer Hinrichtung unbewaffnet sind. Opfer werden zudem regelmäßig auf der Straße zurückgelassen, ihre Köpfe in Plastiksäcke gewickelt und flankiert von einem warnenden Pappschild, welches sie als Drogenhändler:innen kennzeichnet.

Wenngleich auf den Philippinen ein Drogenproblem besteht, ist mehr als umstritten, ob das Drogengeschäft derart außer Kontrolle geraten ist, wie Duterte behauptet. In einer Volksbefragung wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl im Jahre 2016 war ein Viertel der Bevölkerung der Meinung, dass dringend gegen Verbrechen vorgegangen werden müsste. Nach der Wahl hatte sich diese Meinung im Volk verdoppelt. Prozentual gesehen gibt es auf den Philippinen weniger als halb so viele regelmäßige Drogenkonsument:innen wie zum Beispiel in Deutschland. Die Regierung verschleiert, dass hinter den meisten Ermordeten keine Drogenbarone, sondern die Ärmsten der Bevölkerung und Feinde der Regierung stecken. Besonders verfolgte und von den Morden betroffene Berufsgruppen umfassen Aktivist:innen, Journalist:innen, Menschenrechtsverteidiger:innen, Anwält:innen, Justizbeamt:innen, lokale Regierungsvertreter:innen und Gewerkschafter:innen.

Seit Beginn von Dutertes Amtsantritts wurden 61 Menschenrechtsanwält:innen getötet. 15 davon beschäftigten sich mit Untersuchungen gegen den Drogenkrieg. In einer Rede im Jahre 2016 erklärte Duterte, dass er Menschenrechtsanwält:innen, die Drogenhändler:innen repräsentieren, ebenfalls als im Drogenkrieg zu beseitigenden Gegner:innen ansehe.

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft sind gekennzeichnet von schwerwiegender Missbilligung. Die Ausnahme hierzu bildet China, das den Drogenkrieg befürwortet. Ablehnung aus dem Westen lässt Duterte allerdings kalt. Der Kritik der Europäischen Union entgegnete Duterte, die EU solle sich um die kläglichen Zustände für Geflüchtete im Rahmen der Migrationskrise kümmern und sich nicht über ein paar Tausende Tote auf den Philippinen mokieren. Als der Internationale Strafgerichtshof erklärte, er würde eine Untersuchung zu den Verbrechen einleiten, die im Rahmen des Drogenkrieges begangen wurden, zog Duterte die Mitgliedschaft der Philippinen bei diesem Gerichtshof zurück. Der Internationale Strafgerichtshof erklärte daraufhin, er werde dennoch eine Ermittlung durchführen, und zwar von Beginn der Anti-Drogenkampagne im Jahre 2011 bis hin zu dem Zeitpunkt, an welchem der Austritt im Jahre 2019 wirksam wurde. Im Moment sind die Untersuchungen wegen Drucks, verübt durch Politiker:innen in Manila, allerdings vorübergehend ausgesetzt.

Der Terrorismus stellt vor allem in Mindanao ein Problem dar, der ärmsten und am wenigsten entwickelten Region der Philippinen. Islamistische Terrorgruppen wie der IS (Islamischer Staat) und BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) sowie die kommunistische New People’s Army (NPA) sind verantwortlich für Ermordungen, Entführungen für Schutzgeld, Bombenanschläge und weitere Menschenrechtsverletzungen. Der Staat verwendet den Terrorismus als Vorwand für das Vorgehen gegen seine Feinde. Im Jahre 2020 unterschrieb Duterte ein Anti-Terror-Gesetz, durch welches eine Einrichtung der Regierung jegliche Individuen oder Gruppen als Terrorist:innen bezeichnen kann. Solche „Terroristen“ können ohne Haftbefehl oder Anklagegrundlage verhaftet und bis zu 24 Tage inhaftiert werden. Auf diese Weise wurden der Friedensaktivist Randall Echanis sowie die Menschenrechtsverteidigerin Zara Alvarez als Terrorist:innen gekennzeichnet und von Sicherheitskräften erschossen. Noch bevor das Gesetz ein Jahr lang in Kraft war, lagen philippinischen Gerichten 30 Petitionen dagegen vor.

Aufgrund des anhaltenden Terrors verhängte Duterte im Jahre 2017 in Mindanao das Kriegsrecht, nachdem Verbündete des Islamischen Staats die Stadt Marawi unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Aktivist:innen und anti-Duterte Politiker:innen äußerten allerdings auch in diesem Fall Zweifel, Duterte würde die mit muslimischen Extremist:innen einhergehende Problemlage in Mindanao für seine eigenen gewalttätigen Ziele nutzen. Duterte war nämlich auch langzeitiger Bürgermeister Davaos, einer großen Stadt in Mindanao, wo er angeblich extralegale Tötungen anordnen ließ, um Ordnung sicherzustellen und die Opposition zu entmutigen. Diese Tötungen wurden nicht nur durch die Polizei, sondern auch durch seine eigene Davao Death Squad verübt.

Haftbedingungen

Eine weitere Auswirkung des Anti-Drogen-Krieges ist die extreme Überlastung der philippinischen Gefängnisse. Die 534 %-ige Überbelastungsrate kann vor allem auf die zahlreichen, mit dem Drogenhandel verbundenen Verhaftungen zurückgeführt werden. Unmenschliche Platzverhältnisse und prekäre Lebensbedingungen führen zu Aufständen und zu einer ungewöhnlich hohen Sterblichkeitsrate, die offiziell verschiedenen Krankheiten zugeschrieben wird. Verhaftete Personen warten oft jahrelang im Untersuchungshaft auf ein Verfahren. Teilweise dauert die im Untersuchungshaft abgesessene Zeit sogar länger als die eigentliche der Straftat zugeordnete Gefängnisstrafe.

Davon abgesehen ist die Gewährleistung eines fairen Prozesses beinahe unmöglich. Meist gilt eine generelle Schuldvermutung. Es fehlt zudem an ordnungsgemäßen Verfahren und wirksamer Kontrolle. Zeug:innen in Verfahren gegen die Staatsgewalt bringen sich in Lebensgefahr, ebenso die involvierten Anwält:innen und Kläger:innen.

Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit

Auf der Liste der weltweit gefährlichsten Länder für Journalist:innen reihen sich die Philippinen neben Afghanistan und dem Irak unter den ersten zehn ein.

Gegen die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa, die als Journalistin, Geschäftsführerin und Chefredakteurin bei dem Nachrichtenportal Rappler tätig ist, wurden wiederholt Anklagen erhoben. Verhaftet wurde sie bereits zweimal. Laut ihren eigenen Angaben sind die Anklagen gegen sie als Versuch der Regierung zu werten, Rappler und andere kritische Nachrichtenmedien zu entmachten. Duterte nennt Journalisten öffentlich „Hurensöhne“, die nicht von „Ermordungen ausgenommen sind“. Die Regierung geht gegen Journalist:innen und nicht-staatliche Medieneinrichtungen mit Drohungen, politisch motivierter Strafverfolgung und tätlichen Angriffen vor. ABS-CBN, ein Sender, der dem Präsidenten kritisch entgegenstand, wurde mit beachtlicher Geschwindigkeit vom Sendebetrieb ausgeschlossen.

Im Jahre 2009 fand auf den Philippinen der bisher blutigste Tag für Pressemitarbeiter:innen weltweit in der Form des Maguindanao-Massakers statt. Im Zuge einer politischen Auseinandersetzung über eine lokale Wahl töteten der Bürgermeister Andal Ampatuan Jr. und seine politisch einflussreichen Verwandten insgesamt 58 Menschen. 32 davon waren Journalist:innen. Zu den übrigen Opfern zählten Familienangehörige der politischen Rivalen (inklusive seiner schwangeren Frau) und mehrere Zeug:innen.

Im März 2020 unterschrieb Duterte ein COVID-19 Gesetz, welches dazu dienen soll, die Medienfreiheit weiter einzuschränken. Eingeführt wird nämlich ein wage definiertes Delikt; das Verbreiten „falscher Informationen“, sanktioniert mit einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten und einer Geldstrafe von 1 Mio. Peso (ca. 17.500 €). Als Verbreiten „falscher Informationen“ werden vor allem regierungskritische Aussagen angesehen. Insbesondere handelt es sich um solche, die die Reaktion der Regierung auf das Corona-Virus kritisieren.

Eine weitere Art der politischen Zensur ist eine Strategie namens „red tagging“. Zwar gibt es auf den Philippinen tatsächlich eine kommunistische Terrororganisation, die bereits erwähnte New People’s Army (NPA). Nur verwendet die Regierung die Existenz dieser Gruppe als Rechtfertigung, um gegen unterschiedliche Feinde unter dem Vorwand vorzugehen, es handle sich bei ihnen um Kommunist:innen. Vor allem Menschenrechtsorganisationen, vor allem die bekannte Nichtregierungsorganisation Karapatan, werden angeschwärzt und ihre Menschenrechtsarbeit wird mit Aufständen gleichgesetzt. Wird man zum Opfer von „red tagging“ und als Kommunist:in bekannt, läuft man Gefahr, bedroht, attackiert und getötet zu werden. Falsche soziale Medienkanäle, erstellt von Militär, Sicherheitsbehörden und der Polizei, wurden aktiv verwendet, um „red tagging“ zu betreiben, Propaganda zu verbreiten und eine Kampagne gegen Aktivist:innen zu führen. Dutzende Kanäle wurden von Facebook gelöscht.

Frauenrechte / geschlechterspezifische Ungleichheiten

Die Philippinen sind einerseits als Vorreiternation Asiens in der wirtschaftlichen Geschlechtergleichstellung bekannt. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor keine gesetzliche Grundlage für Scheidungen. Insgesamt betrachtet ist die Frauenrechtssituation auf den Philippinen von Widersprüchen und Extremen gekennzeichnet.

In der Politik mangelt es keinesfalls an Frauen in Führungspositionen. Die Philippinen sind das einzige Land Südostasiens, in welchem die Anzahl von Frauen in der Regierung über 10 % liegt. Zudem ist die Vizepräsidentin der Philippinen, Leni Robredo, eine Inspiration für Frauenrechtsaktivist:innen weltweit. Robredo war und ist als Aktivistin tätig und arbeitete als Menschenrechtsanwältin. Sie setzt sich vor allem für Arme und Benachteiligte ein, ist aktiv am Kampf gegen häusliche Gewalt beteiligt und wurde von dem Filipina Women's Network (FWN) zu eine der 100 einflussreichsten philippinischen Frauen der Welt gekürt. Wichtig ist anzumerken, dass Präsident und Vizepräsident auf den Philippinen separat gewählt werden.

Das World Economic Forum platzierte die Philippinen in ihrem weltweiten Gender Index 2018 auf Platz 8, vor Dänemark, der Schweiz oder Kanada. Zwar rutschten die Philippinen 2021 auf Platz 17 zurück, doch liegen sie somit immer noch beispielsweise vier Plätze vor Österreich. Auf den Philippinen sind Frauen zudem in hohen Führungspositionen ebenso häufig vertreten wie Männer. Es wird von Mädchen nicht nur erwartet, dass sie die Schule besuchen, sondern diese auch abschließen und danach in die Arbeitswelt einsteigen. Jungen brechen häufiger die Schule ab als Mädchen, da sie als „brauchbarer“ für physische Arbeit eingestuft werden. Auf jeder Bildungsstufe ist die Abschlussrate bei Frauen höher als bei Männern.

Zum Schutz von Frauen wurden verschiedene gesetzliche Maßnahmen getroffen. Erwähnenswert ist das Gesetz zur Unterstützung und zum Schutz von Vergewaltigungsopfern von 1998 (Rape Victim Assistance and Protection Act), das Gesetz gegen sexuelle Belästigung von 1995 (Anti Sexual Harassment Act) und das Anti-Gewalt Gesetz gegen Frauen und ihre Kinder von 2004 (Anti-Violence Against Women and Their Children Act).

Leider zeigt dieses optimistische Bild nur die halbe Wahrheit. Die Kehrseite ist gekennzeichnet von Verstoßen und veralteten Ansichten. Die Erwartung an Frauen, traditionelle Erziehungs- und Haushaltspflichten zu erfüllen, besteht weiterhin – dies auch neben hohen beruflichen Erwartungen. Häusliche Gewalt ist weit verbreitet, die Müttersterblichkeitsrate ist nach wie vor hoch, ebenso die Anzahl an tödlich endenden Abtreibungen. In Mindanao kommen auch heute noch Brautentführungen und Zwangsverheiratungen vor.

Die Philippinen stellen neben dem Vatikanstaat eines der zwei Länder der Welt dar, in denen die Scheidung illegal ist. Gründe dafür können der Katholizismus und die Macht der katholischen Kirche als Ergebnis der spanischen Kolonisierung sein. Derartige Gesetze, die in der Zeit der Kolonialisierung erlassen wurden, wurden nämlich nie aufgehoben. Frauen können sogar des Mordes angeklagt werden, wenn sie eine Abtreibung durchführen, und folglich wie Mörder bestraft werden. Die katholische Kirche prägt aber auch das alltägliche Leben der Frauen. Die traditionelle Rolle der Frau im Haushalt wird verlangt, um weiterhin die soziale Ordnung zu bewahren. Während der spanischen Kolonisierung wurde dies nämlich durch alte kulturelle Bräuche unterstützt. Darüber hinaus gibt es praktisch keinen Aufklärungsunterricht, weshalb die Philippinen die höchste Minderjährigen-Mutterschaftsrate Südostasiens aufweisen sowie die höchste HIV-Rate im Westpazifik.

Die Kultur der Philippinen ist geprägt von wiederholten Auswanderungsbewegungen. Auf der Suche nach besseren Lebensverhältnissen, auf der Flucht vor Diktatoren, extremer Armut oder Verfolgung wandern jedes Jahr mehr als eine Millionen Menschen aus. Leider organisieren weibliche Arbeitnehmer:innen ihre Beschäftigungsmöglichkeiten im Ausland oft über informelle Kanäle und werden in der Folge Opfer verschiedener Formen von Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel.

Der Aufholbedarf der Philippinen in gewissen Frauenrechtsthemen ist unter anderem erkennbar am Frauenbild des Präsidenten. Die Liste an sexuellen Belästigungen, die Duterte verübt hat, ist lang. Die Häufigkeit und die Art seiner obszön frauenfeindlichen Bemerkungen sprechen für sich.

Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die Grund- und Menschenrechtslage

Die Reaktion der Regierung auf die COVID-19 Krise ist gekennzeichnet von Polizei- und Militäreinsätzen, welche ernsthafte Menschenrechtsverletzungen mit sich bringen. Während des ersten COVID-19-Lockdowns stiegen im Zeitraum zwischen April und Juli 2020 extralegale Tötungen um 50 %, verglichen mit den vier Monaten zuvor. Duterte hatte den Sicherheitskräften angeordnet, Quarantänebrecher zu erschießen. Die Tötungen blieben fast durchgehend unbestraft.

Zudem wurde in Berichten bekannt, dass Menschen, die gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen hatten, in Hundekäfigen gehalten würden. Zwei festgenommene Kinder wurden angeblich von Polizisten in einen Sarg gesperrt. Andere wurden zu öffentlichen Sportfeldern gebracht, wo sie stundenlang bei hohen Temperaturen auf Schemeln sitzend ausharren mussten. Ziel der Aktion war es, sie vor ihren lokalen Gemeinschaften öffentlich zu schikanieren. Die große Mehrheit der Verhafteten wird in Haftanstalten gebracht. Die chronische Überfüllung dieser Einrichtungen lässt keine soziale Distanzierung zu und schafft ein ideales Klima für die Übertragung von COVID-19.

Seit Beginn der Pandemie sind auf den Philippinen laut der Gesundheitsorganisation WHO 46.422 Menschen aufgrund von oder in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben.

Quellen

Stand: 29. November 2021

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